Minden für Alle

 Foto Backsteinhaus

Foto Dom Minden

Foto Kaufhaus Hagemeyer

Foto Hermann Schmieding Haus

Foto Standesamt Minden

  4:06 Uhr / 04. Juli 2020 

Willi Evert
im Gespräch mit Katja Jeske-Korittke

Eine Mutter steht mit ihrer Tochter an der Ampel. „Du musst noch auf den Schalter drücken“, sagt sie zu der Siebenjährigen. Als es grün wird, erklingt ein heller Ton. „Wieso piepst es?“, fragt das Mädchen. Die Mutter erklärt, dass durch dieses akustische Signal sehbehinderte oder blinde Menschen sicher eine Straße überqueren können.

Wilhelm Evert kennt das.

 

Seit seinem 19. Lebensjahr ist er vollständig blind. „Minden habe ich noch nie gesehen.“ Er schmunzelt. „Aber die Stadt könnte ich Ihnen trotzdem zeigen.“ Der 82-Jährige geht gerne mit seiner Frau spazieren, auch wenn das langsam beschwerlich wird. „Wir sind schließlich nicht mehr die Jüngsten.“ Der begeisterte Schwimmer, fährt Tandem, spielt Skat oder Mundharmonika.


Aber er hat auch noch ein ganz besonders Hobby: Im Vorraum seines Arbeitszimmers stehen von ihm selbst gefertigte Tonfiguren. Dass Willi Evert nichts sieht, kann man kaum glauben - so perfekt sind sie gelungen. Ein Hobby, zu dem er zurzeit nicht so richtig käme, ergänzt der Kriegsblinde.


Das abtastbare Bronze-Modell vor dem Mindener Dom begeistert den rüstigen Rentner sehr. „Endlich mal eine Möglichkeit für mich Sehenswertes auf meine Wahrnehmungsweise zu erfahren“, sagt Evert.


Die Welt erschließt der Mindener sich mit Hilfe des Computers. Eine spezielle Software und Tastatur hilft ihm, damit klarzukommen. Auf ein Lesegerät gelegt, wird Gedrucktes einfach vorgelesen. Denn genau das gewünschte Buch in der Blindenschrift Braille zu bekommen, ist oft unmöglich.


In letzter Zeit beschäftigt Willi Evert sich viel mit dem Medium Internet. „Ich freue mich schon auf den überarbeiteten Stadtführer. Er wird dann für blinde oder sehbehinderte Menschen noch besser zu lesen sein.“ Besonders auf die Neueinträge im Bereich Gastronomie ist er gespannt; denn seine Frau ist nicht mehr so gut zu Fuß. „Dann kann ich von zu Hause aus entscheiden, wo wir hingehen können.“

Werbebanner
Werbebannerwechsel
Treffpunkt Johanniskirchhof